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15. KWF-Tagung – etwas Kritik in den Jubel gestreut
11/06/2008 - 12:12
KWF-Tagung_Schmallenberg_Forsttechnik_ForstwirtschaftHat die 15. KWF-Tagung neue Meilensteine für die Forsttechnik und Forstwirtschaft gesetzt? Auf jeden Fall haben die Veranstalter des Kuratoriums für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF) mit 43.000 Besuchern eine Rekordmarke gesetzt.
Was bleibt aber über die vier Tage im sauerländischen Schmallenberg hinaus? Viel Schulterklopfen für die Organisatoren, die eine Großveranstaltung gestemmt haben, die an das Niveau des schwedischen Messeprimus Elmia heranreicht. Volle Auftragsbücher für Maschinenbauer und Forstmaschinenhändler werden es aber trotz der guten Stimmung auf der Messe kaum sein. Dafür ist die Auftragslage für die Forstunternehmer derzeit einfach zu schlecht.

Lösungen für den in den vergangenen Wochen immer prekäreren Konflikt zwischen Holzernte auf der einen Seite und breiten Bevölkerungsteilen auf der anderen? Die Schmallenberger KWF-Tagung hinterlässt hier wohl eher einen zwiespältigen Eindruck. Die "big-is-beautiful"-Mentalität ist nach wie vor intakt. Anziehungspunkte waren auch auf der diesjährigen Leistungsschau des Forstmaschinenbaus die Starkholzharvester aus den Ställen Eco-Log, Ponsse, Valmet oder TimberPro. Für eine Probefahrt im 18-Tonnen-Forwarder konnte das angesichts der heißen Temperaturen ansonsten begehrte kalte Bier warten. "Ich habe nichts gesehen, was ich nicht schon kenne, außer dass jetzt alles Konrad_Forsttechnik_Highlandereine Tonne schwerer ist", beurteilte ein Forstunternehmer die Neuheitenschau der KWF-Tagung. Fast scheint es, als hätte Josef Konrad, Geschäftsführer Konrad Forsttechnik, eine Alleinstellung in der Branche. Mit seinem Highlander 2003 und nun mit dem Bodenlaufwagen Pully beschreitet er weiterhin erfolgreich neue Wege bei Forstmaschinen und Holzernteverfahren. Sowohl Highlander als auch Pully zeigen, dass man die Forsttechnik immer wieder ganz neu denken kann.

Mehr Produktivität beim Forwarder – in Zeiten eines dramatischen Preisverfalls bei den Entgelten für die Forstunternehmer hätte dies ein Thema sein können. 18 Tonner–Forwarder die dann mit einem Gesamtgewicht von fast 40 Tonnen über mitteleuropäische Waldböden fahren, können dabei bestenfalls eine Lösung sein. Mehr Produktivität durch ein angenehmeres Arbeitsumfeld für den Forwarderfahrer? Das von John Deere propagierte Thema fiel in Schmallenberg leider aus, da der führende Forstmaschinenhersteller nur die Harvester der neuen E-Serie und nicht die den Forwarder mit der Drehkabine ins Sauerland brachte.
Kostenreduktion durch neue Antriebskonzepte – angesichts von Dieselpreisen über 1,50 €/l hätte man mehr auf einer Leitmesse für Forsttechnik erwarten sollen. Fast schien es auf der KWF-Tagung, dass Forstunternehmer immun gegen hohe Dieselpreise sind. Der Hybrid-Antrieb war nur in einem Arbeitskreis auf der KWF-Konferenz in Bad Fredeburg ein Thema. ForstunternehmerAuf der Elmia 2005 gab es immerhin den Forwarder El-Forest mit Diesel-elektrischem Antrieb zu sehen.
Aber vielleicht ist die Lösung für eine bessere wirtschaftliche Situation der Forstunternehmer ohnehin nicht im Maschinenbau zu suchen. Eigenverantwortung der Forstunternehmer beim Ausfüllen von Ausschreibungsunterlagen und ein höheres Verantwortungsgefühl auf Waldbesitzerseite im Sinne der dreieinigen Nachhaltigkeit könnten hier weiter als jede technische Lösung helfen.

Forstwirtschaft_HolzindustrieKeine Forstschritte sind beim Thema Logistik und Schnittstelle Forstwirtschaft - Holzindustrie zu verzeichnen. Nach wie vor wird viel diskutiert und konferiert, die großflächige Praxisumsetzung ist aber ungewiss. " Im Großen und Ganzen war es mal wieder so, dass viel heiße Luft verbreitet wurde", zog der Logistik-Experte eines großen Sägewerks ein eher negatives Fazit. "Wir warten weiter auf Verbesserungen, auf der KWF-Tagung gab es viel Theorie und wenig Praxis", zeigte sich ein Holzeinkäufer aus der Holzwerkstoffindustrie mit den Ergebnissen der KWF-Tagung ebenfalls unzufrieden.

Energieholz_TrommelhackerEinen Eindruck, welche Diskussionen und Konflikte der Branche in den kommenden Jahren bevorstehen, konnten Neuheitenschau und Exkursionsgelände vermitteln. Dies gilt besonders für die Energieholzgewinnung. Hier hat die KWF-Tagung sicher einen Meilenstein gesetzt. Dass immer größere Trommelhacker, die relativ gutes Rundholz für die Hackschnitzelproduktion benötigen, keine große Zukunft mehr vor sich haben, wurde auf der KWF-Tagung klar. Allein schon die Präsenz großer Energieversorger auf der Forstmesse zeigt, dass man sich auch in Mitteleuropa auf skandinavische Verhältnisse mit Shreddern und Hammermühlen einstellen muss, die minderwertiges Material zu Brennstoff aufbereiten können. Die bessere Holznutzung – sei es mit einem Fäller-Bündler-Aggregat in jungen Laubholzbeständen oder mit Hiebsresten von Endnutzungen – wird aber auch Ökologen und Umweltschützer auf den Plan rufen. Im Exkursionsgelände haben Vertreter von Zertifizierungsorganisationen die Fäller-Bündler-Technik zur Energieholzernte genauer betrachtet. Auch die Press-Collectoren wie sie an den Ständen von WFW (Modell von ABAB), Wellink und Preuss zu sehen waren, müssen sich vermutlich noch der ein oder anderen politischen Diskussion stellen. Dies gilt umso mehr für die in Skandinavien bereits weit verbreiteten Zangen zu Stockrodung, um Material für die Heizkraftwerke zu gewinnen. Angesichts der in Schmallenberg ausgestellten Spaltzangen wandte sich der ein oder andere Förster auch mit Grausen ab. Dass in Zeiten von erhöhtem Holzbedarf auch Wurzelstöcke für die Energiegewinnung wieder ein Thema werden könnten, hat manchen auf der KWF-Tagung überrascht.
(IHB MF)
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