Neue Harvester und Forwarder auf der Austrofoma 2007
22/10/2007 - 15:48
Als größte diesjährige Forstmesse im Turnus von KWF, Elmia, Interforst und FinnMetko nutzten Forstmaschinenhersteller die Austrofoma 2007 in Heiligenkreuz vom 9.-11. Oktober zur Präsentation neuer oder weiterentwickelter Harvester und Forwarder. Keine Frage, dass die Neuheiten oft mit dem Thema Forsttechnik im Bergwald in Verbindung standen.
Mit Seil und balancierten Bogies Der Steilhang-Harvester HSM 405H2 wurde erstmals dem breiten Publikum präsentiert. Bislang gab es den Harvester mit der charakteristischen, am Heck montierten 16to-Traktionswinde nur bei Vorführungen zu sehen. Im Einsatz ist der Steilhang-Harvester bereits in Schottland und in Thüringen beim Forstunternehmen Detlef Kirchhof. Der Forstunternehmer verwendet für die Winde ein Kunststoffseil. "Die 160 m legen sich deutlich besser auf die Trommel als ein Stahlseil", berichtete Kirchhof von seinen Erfahrungen mit dem Vollernter, der seit Juni 2007 bei ihm im Einsatz ist. Keine Frage dass die Steilhang –Version des 405 H mit den nun für alle Hersteller verfügbaren balancierten Bogies. Der Vorteil des balancierten Bogies ist es, in der Tandemachse integriert zu sein. Es verhindert, dass sich die Tandemachsschwingen bei hoher Zugkraft aufstellen und sorgt somit für einen gleichmäßigen Bodendruck, verteilt auf alle vier Räder. Das erhöht die Traktion, schont den Boden und verlängert die Lebensdauer der Achse. Das System ist unkompliziert, bedarf keiner Steuerung, keiner zusätzlichen Wartung und benötigt keinen zusätzlichen Platz. Für Stabilität am Hang sorgt auch der längere Vorderwagen des 405 H3. HSM-Vertriebsleiter Hans Müller verweist explizit auf die Schwimmstellung des der weit über das Heck hinausragende Winde. Die Gefahr, dass das Anbaugerät auf dem Boden aufsetzt und das Fahrzeug aushebelt, kann so ausgeschlossen werden. Wird die Winde nicht verwendet , kann sie nach oben geklappt werden. Hans Müller schätzt, dass künftig bis zu einem Viertel der HSM Harvester mit Winde ausgestattet sind.
In die Kategorie "Weiterentwicklung" fällt der 14 to Forwarder HSM 208 F, ebenfalls mit balancierten Bogies. Der 208 F ist der vierte HSM-Forwarder, der beim Forstunternehmen Aichholz/Barth in Lorch/Württemberg seit 1999 zum Einsatz kommt (Foto: Albrecht Aichholz).
Forstmaschinen nach Kundenwunsch Liegt es an der beruflichen Vergangenheit von Komatsu Forest/Valmet Deutschland Geschäftsführer Dr. Jürgen Munz, dass auf der Austrofoma in Heilgenkreuz ein Forwarder mit Pflanzenöl-Motor zu sehen war? Allein die jüngste Entwicklung der Dieselpreise macht den Forwarder 860.3 mit Rapsöl-Motor zu einem der interessanten Neuheiten auf der Messe. Das notwendige Filtersystem mit Treibstoffheizung und Motorsteuerung stammt von Bioltec. Das bayerische Unternehmen hatte im Frühjahr 2007 eine Produktlinie speziell für Bau- und Forstmaschinen mit zusätzlicher Filterstufe gegen Tank- und Treibstoffverunreinigungen eingeführt. Jürgen Munz hält Forstmaschinen für prädestiniert für den Rapsöl-Einsatz. Der generell hohe Verbrauch von Harvester und Forwardern führe zu einer Amortisation der 10.000 € Mehrkosten innerhalb von ein bis zwei Jahren für möglich. Wichtig: Die Garantie für das Einspritzsystem übernimmt Bioltec.
Ein anderes Konzept und damit ein anderes Arbeitsverfahren zeigte Komatsu Forest/Valmet gegenüber HSM mit seinem Hang-Harvester. Die 6to-Winde ist am Vorderwagen montiert, der Valmet 921.3 arbeitet hangaufwärts. Mit nur 100 m Seil dient der Zusatzantrieb in erster Linie dazu, die of problematischen Wegböschungen zu überwinden um dann ohne Seil weiter zu arbeiten. Auf der Austrofoma überzeugte der Valmet-Harvester an einem 35% steilen Hang, den er ohne Schlupf und Bodenschäden bewältigte.
Viel Aufmerksamkeit zog auch das Schnellwechselsystem von Greifer auf Harvesteraggregat auf sich. Innerhalb von 2 Minuten konnte der Fahrer des Kettenbaggers Komatsu PC 228 das Harvesteraggregat 370E gegen eine Greiferzange austauschen – ohne die Fahrerkabine verlassen zu müssen. Eine der Haupteinsatzgebiete, bei denen der flotte Wechsel von Zange auf Aggregat notwendig ist, ist Sturmholz.
Neue Transportbörse für Harvester und Forwarder "In Österreich gibt es einen wahren Boom bei Bagger der 10-14 to Klasse", berichtet Jörg Kopeinig vom Harvester technik Center. Entsprechend zeigte er einen - vom ihm gemäß der Kundengruppe als "Bauernharvester" bezeichnet – 14to Takeuchi-Bagger mit Kesla F25 RH Harvester-Aggregat. Wichtig sei ein schneller Tausch von Aggregat auf Greifer oder Löffel, um die Maschine vielfältig einsetzen zu können, sagt Kopeinig. Bei Investitionskosten von 100.000 € für den Bagger und 50.000 € für das Aggregat sieht Kopeinign Österreich noch ein großes Kundenpotenzial.
Freunden starker Radharvester kann Jörg Kopeinig künftig auch weiterhelfen. Er hat den Vertrieb von Timberpro für Österreich übernommen. Ist Dienstleister ist er mit der neuen Internetplattform Tieflader-Express vertreten. Über die Frachtbörse speziell für den Transport von Harvestern und Forwardern werden derzeit Transportaufträge für 25 Tieflader bei 15 Speditionen vermittelt. Seinen Gebrauchtmaschinenhandel will Jörg Kopeinig trotz der vielfältigen neuen Aktivitäten weiterführen.
Krantilt am Rottne
Wenig Neuheiten-Wirbel machte Bernd Lachmann am Stand von Rottne. Die großen Neuheiten wie der neue 9to-Rückezug F10 oder der 18 Tonner F18, die vor wenigen Wochen in Schweden vorgestellt wurden, haben noch nicht ihren Weg nach Österreich gefunden. Nichts desto trotz konnte Lachmann auf der Austrofoma eine für den Bergwaldeinsatz wichtige Verbesserung präsentieren: Der Krantilt am F12 mit 22° nach hinten und 8° nach vorne.
13 tonnen Forwarder bei Gremo
Prämiere in Mitteleuropa feierte der 13to-Forwarder von Gremo. Ab Oktober ist das erste Exemplar in Deutschland im Einsatz. Auf der Austrofoma konnte die Maschine an dem 30% steilen Hang die Leistungsfähigkeit des elektronisch gesteuerten, stufenlosen Antriebs "GeVT" unter Beweis stellen. Die Zugkraft liegt bei 18,4 to, der üblich Gangwechsel entfällt.
(IHB Fehrle Fotos: Oliver Gabriel, Philipp Matzku, Michael Fehrle)